Das Literaturforum
In unserem Forum schreiben Autoren und Leser. Beiträge zu neuen Büchern und Berichte von Lesungen wechseln sich ab. Stellen Sie Ihre Kommentare dazu ein!

Im vergangenen Jahr hat der Lyriker und Preisträger der Bremer Netzresidenz, Norbert Hummelt, "The Waste Land" von T.S. Eliot in unserem Forum über drei Monate neu übersetzt. Das Projekt ist auf diesen Seiten dokumentiert. Im August 2008 ist die Neuübersetzung von Norbert Hummelt im Suhrkamp Verlag erschienen. 

Aktuell präsentieren wir in unserem Forum das virtuelle Gästebuch der Ausstellung "Die stille Mitte von Berlin" mit Fotografien um 1980 von Irina Liebmann. Die Ausstellung ist vom 13. Januar bis zum 12. Februar 2009 im Rahmen der Literarischen Woche 2009 im Wall-Saal der Zentralbibliothek zu sehen.



Virtuelles Gästebuch zur Ausstellung
"Die stille Mitte von Berlin" präsentiert Fotografien von Berlin um 1980 aus dem Privatbesitz von Irina Liebmann. Wir freuen uns über Ihren Kommentar zur Ausstellung. Nutzen Sie unser virtuelles Gästebuch und schicken sie uns Ihren Beitrag!

Regina Dyck, poetry on the road  Stille Mitte von Berlin


Buchtipp von Gabi von Alemann: "Alan Bennett - Die souveräne Leserin"


Die Queen ist ein Musterbild an Disziplin und Pflichterfüllung. Gekleidet in Bonbonrosa oder Türkisblau oder in Krone und Schärpe, mit feinem Lächeln und huldvoll winkend absolviert sie, auf die Minute pünktlich dem Protokoll folgend, ihre königlichen Termine, hält Ansprachen und repräsentiert bei festlichen Banketten.

So kennen wir die britische Monarchin aus den bunten Regenbogenblättern. Dort ist sie gelegentlich auch mal als Quasi-Privatfrau zu sehen – beispielsweise beim Ausführen ihrer Corgis.

Diese Hundchen sind es nun, die die Queen in Alan Bennetts Erzählung "Die souveräne Leserin" im Park von Windsor spazieren führt. Wie alle richtigen Hunde toben die kleinen Schlingel um eine verschwiegene Ecke des weitläufigen Gebäudes; die Queen stapft natürlich hinterher, und schon befindet man sich am Kücheneingang des Palastes, ein Bereich, in den ein Royal sich normalerweise eher nicht verirrt.

Vor dem Kücheneingang steht – die Queen wird nun ein bisschen neugierig – der Bücherbus, also die rollende Bibliothek, die jeden Mittwoch den Bediensteten im Schloss Lektüre zum Ausleihen bringt.

Viel ist am Bücherbus nicht los an diesem Morgen. Abgesehen vom Bibliothekar selber stöbert nur der Küchenjunge Norman in den Büchern. Norman, so erfährt die königliche Spaziergängerin, ist erfahrener Leser und Kenner von literarischen Werken (schwule Autoren bevorzugt). Für einen Küchenjungen ein ungewöhnliches Hobby, findet die Queen, die nun das unbestimmte Gefühl hat, sie solle sich wohl besser hier und gleich ein Buch ausleihen, um dem Personal gegenüber nicht als Banausin dazustehen.

So geschieht es. Sie beginnt zu lesen, leiht bald weitere Bücher aus, befördert Norman zu ihrem persönlichen Literaturberater – und entdeckt nun ganz neue Welten: die phantastischen, unglaublich vielfältigen Sphären der Literatur. Sie liest die Russen, die Franzosen, die Lyriker, die englischen Klassiker, sogar mal einen Bestseller, warum auch nicht?!

Das hat Folgen. Ein ungewohnter Hang zur Unpünktlichkeit stellt sich bei ihr ein, ein neu erwachtes Desinteresse an den immergleichen Ritualen des Redenhaltenmüssens und Repräsentierens. Wenig angetan vom neuen Hobby der Queen ist der Herzog von Edinburgh, sprich der etwas knurrige Gatte und Prinzgemahl; und vor allem der königliche Privatsekretär Sir Kevin ist not amused.

Alan Bennett ("Così fan tutte"), renommierter und selbstverständlich äußerst spleeniger britischer Theaterautor und Satiriker (der lieber seine beiden Hausschweine an der Leine ausführt als - etwa – im kontinentalen Ausland auf Lesereise zu gehen), macht in seinem liebevollen, von mildem Spott getragenen "Porträt" der Queen eine Liebeserklärung an die Literatur und das Lesen. Er zeigt, was Literatur kann, wie sie wirkt, wie sie uns Leser verändert. Klar, dass die Geschichte auf einen ebenso überraschenden wie zwingenden Schluss hinführt. Mr Bennett ist schließlich von Haus aus Dramatiker.

Das ist intelligente, hoch vergnügliche Lektüre. Alle, die britischen Witz und das inseltypische understatement mögen, werden hier bestens bedient, und die Kenner von Austen, James, Proust & Co. werden ihre spezielle Freude daran haben. Ingo Hertzkes deutsche Übersetzung macht sehr hübsch deutlich, wie britischer Humor funktioniert. Weil man von der ersten bis zur letzten Seite entzückt schmunzeln muss – oder, je nach Temperament, schallend lachen -, möchte man die Geschichte gleich nochmal lesen. Oder jemandem vorlesen! Vielleicht dem knurrigen Lebenspartner? Der kriegt davon garantiert sofort gute Laune.

Last not least: Die "souveräne Leserin" erscheint in der SALTO-Reihe bei Wagenbach. Wer die hübschen, in leuchtend rotes Leinen gebundenen kleinen Bände kennt, wird Bennetts "Souveräne Leserin" auch liebend gern an Bücherwürmer verschenken.


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Ria Neumann besuchte die Lesung mit Dag Solstad
Ich gehe immer wieder in Lesungen in der Hoffnung, etwas zu lernen und abgucken zu können. Kürzlich war ich bei Dag Solstad in der Thalia Buchhandlung. Leider war sie sehr schlecht besucht, ich habe das bedauert. Die Veranstaltung ansich habe ich als anstrengend empfunden.
Denn trotz oder wegen der Dolmetscherin wurde sehr viel norwegisch gesprochen, eine Sprache, von der ich und sicher die meisten Anwesenden nicht mal eine Silbe verstehen. Dazu noch ein überheizter Raum, nach etwa einer dreiviertel Stunde war ich ziemlich erschöpft. Aber da war noch lange kein Ende. Für den Schriftsteller und sein sicher gutes Buch hat es mir Leid getan, ich habe aber schließlich im wahren Wortsinn die Flucht ergriffen. Sorry.


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Schreiben

Gabi von Alemann war bei Jaume Cabré
Anfang Oktober liest Jaume Cabré in Bremen!

Ich las es in der Tageszeitung und freute mich auf diesen Autor, dessen großartiges Buch "Die Stimmen des Flusses" ich gerade gelesen hatte.

Ich bin Buchhändlerin - da kommt man ja mit so allerlei Büchern in Kontakt. Einige gute sind dabei, auch ein paar sehr gute; aber Bücher, die wie Spitzen aus dem Niveau der sehr guten Bücher noch herausragen, solche Bücher, die einem wochenlang nachgehen, so dass man sich kaum auf andere Lektüre einlassen mag, weil man am liebsten ebendieses Buch nochmal lesen würde - solche Bücher gibt es nur sehr, sehr selten.

"Die Stimmen des Flusses" von Jaume Cabré ist solch ein Buch.

Es erzählt von einem katalanischen Pyrenäendorf und seinen Bewohnern, von Bürgerkriegsfolgen, Franco-Faschismus und Widerstand, von Liebe und Macht und Gewalt. Es zickzackt hin und her zwischen den 40er, 50er, 60er Jahren und heute und zeigt, wie eng Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwoben sind und ineinander greifen. Es ist hochspannend wie ein Thriller, und es ist genial konstruiert. Und, last not least, es ist auch sprachlich ein Genuss. Die Übersetzerin Kirsten Brandt hat wirklich ganz wunderbare Arbeit geleistet und ist diesem Buch rundum gerecht geworden.

All dies kam gut rüber bei der Lesung in Bremen. Eine ganze Abordnung war mit der Suhrkamp-Mitarbeiterin angereist: Cabré, der Autor, Kirsten Brandt, die Übersetzerin, der Schauspieler Dietmar Mues, der Passagen aus Cabrés Buch auf Deutsch las. Frau Brandt dolmetschte für Senior Cabré und ein paar Fragen aus dem Publikum. Sehr anrührend die folgende kleine Geschichte, die der Autor erzählte: Den Umschlag des Buches ziert das Foto einer katalanischen Dorfschulklasse aus den 40er Jahren, das der Autor, wenn ich das richtig erinnere, in einem lokalen Archiv fand; bei einer ländlichen Lesung fragte er das Publikum, ob jemand die abgebildeten Schüler kenne; da meldete sich eine alte Frau aus dem Publikum: "Die mit den Zöpfen, das bin ich..."

Am Ende des Abends dann noch das Signieren, ein kleiner Plausch mit dem Autor mit Hilfe der Übersetzerin. Zu Hause schaute ich mir mein signiertes Buch an: für Gabi, kann ich mir da übersetzen, von Jaume, na klar; aber der Text dazwischen, der ist katalanisch, und Katalanisch kann ich nicht...


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T.S. Eliot: The Waste Land / Das öde Land
- Revised Edition -
Deutsch von Norbert Hummelt

Denn die Sibylle von Cumae hab ich mit eigenen Augen gesehen, wie sie in einer Ampulle hing, und wie die Jungs ankamen und sie fragten, na, was willst du, sagte sie, sie wolle sterben.

Für Ezra Pound
il miglior fabbro

* * *

I. THE BURIAL OF THE DEAD / DIE BESTATTUNG DER TOTEN

April ist der übelste Monat von allen, treibt
Flieder aus der toten Erde, mischt
Erinnerung mit Lust, schreckt
Spröde Wurzeln auf mit Frühlingsregen.
Der Winter hat uns warm gehalten, hüllte
Das Land in vergeßlichen Schnee, fütterte
Ein wenig Leben durch mit eingeschrumpelten Knollen.
Der Sommer kam als Überraschung, über den Starnberger See
Mit Regenschauer; wir flüchteten unter die Kolonnaden,
Die Sonne kam wieder, wir gingen weiter zum Hofgarten
Und tranken Kaffee und redeten eine Stunde.
Bin gar keine Russin, stamm’ aus Litauen, echt deutsch.
Und als wir Kinder waren, wohnten wir beim Erzherzog,
Der war mein Vetter, und der ist dann mit mir Schlitten gefahren,
Und ich hatte solche Angst. Marie, sagte er,
Marie, halt dich fest. Und runter gings.
Im Hochgebirge, da fühlt man sich frei.
Ich lese die halbe Nacht, im Winter muß ich nach Süden.


Was sind das für Wurzeln, die krallen, was für Äste wachsen
Aus diesem steinernen Schutt? Menschensohn,
Du ahnst es nicht und kannst nichts wissen, du siehst doch nur
Einen Haufen zerbrochener Bilder, wo die Sonne sticht
Und der tote Baum kein Obdach bietet, die Grille keine Hilfe
Und der trockene Stein kein Wassergeräusch. Nur
Dort ist Schatten unterm roten Fels,
(Komm in den Schatten unterm roten Fels),
Und ich werde dir etwas zeigen, das anders ist als
Der Schatten, der dir morgens nachläuft,
Und als der Schatten, der dich abends einholt;
Ich zeig dir die Angst in einer Handvoll Staub.
Frisch weht der Wind
der Heimat zu:
mein irisch Kind,
wo weilest du?
‚Voriges Jahr, da hast du mir noch Hyazinthen geschenkt;
Sie nannten mich das Hyazinthenmädchen.’
– Doch als wir wiederkamen aus dem Hyazinthengarten, es war schon spät,
Du hattest die Hände voll, dein Haar war naß, da konnte ich nicht mehr
Sprechen, ich sah auch nichts mehr, ich fühlte mich weder
Tot noch lebendig, und alles war weg,
Als ich ins Herz des Lichts sah, die Stille.
Öd und leer das Meer.

Madame Sosostris, Top-Wahrsagerin,
War schwer erkältet, nichtsdestotrotz
Gilt sie als weiseste Frau Europas,
Dank eines verruchten Kartenspiels. Hier, sprach sie,
Ist Ihre Karte, der ertrunkene phönizische Seemann,
(Perlen sind, was seine Augen waren. Schau!)
Hier haben wir Belladonna, die Herrin der Felsen,
Die Heilige der Gelegenheiten.
Hier kommt der Mann mit den drei Stäben, und hier das Rad,
Und hier der Kaufmann mit dem einen Auge, und hier die Karte,
Wo nichts drauf ist, ist etwas, das er auf dem Rücken trägt,
Aber das läßt man mich nicht erkennen. Ich sehe nirgendwo
Den Gehenkten. Fürchten Sie den Seemannstod.
Ich sehe Menschenmengen, die im Kreis einhergehn.
Dankeschön. Falls Sie die gute Mrs. Equitone sehen,
Sagen Sie ihr, daß ich das Horoskop selbst vorbeibringe,
Man kann nicht vorsichtig genug sein heutzutage.

Unwirkliche Stadt,
Unter dem braunen Nebel eines Wintermorgens
Kroch eine Menschenmenge über London Bridge, so viele,
Das dacht’ ich nicht, daß derart viele schon verblichen wären.
Gelegentliche kleine Seufzer wurden ausgehaucht,
Und jedermann sah starr vor seine Füße.
Kroch hügelan und abwärts zur King William Street
Bis dahin, wo Saint Mary Woolnoth Stunden zählte
Mit einem dumpfen Nachhall auf dem neunten Schlag.
Da traf ich einen, den ich kannte, und ich rief ihm zu: ‚Stetson!
‚Der du mit mir zu Schiff vor Mylae lagst!
‚Der Tote, den du letztes Jahr im Garten pflanztest,
‚Sprießt er schon? Blüht er noch in diesem Frühjahr?
‚Oder ist der Nachtfrost ihm nicht gut bekommen?
‚O halt den Köter fern, der um die Beete streunt,
,Sonst buddelt er ihn aus, der Menschenfreund!
‚You! Hypocrite lecteur! – mein Ebenbild, – mon frère!’

* * *

II. A GAME OF CHESS / EINE RUNDE SCHACH

Der Stuhl, auf dem sie saß, ein blankpolierter Thron,
Funkelte auf dem Marmorboden, wo der Spiegel,
Gestützt auf Ständer, schmiedeeisern, rebenüberrankt,
Aus welchem keck ein güldener Amor spähte
(Ein zweiter barg die Augen hinterm Flügel)
Die Flammen aus dem siebenarmigen Leuchter wiedergab
Und das Licht schien von der Tafel wider
Und ihr Geschmeide glänzte diesem Licht entgegen
Aus lauter in Satin gefaßten Schmuckkästchen.
Fläschchen auf Elfenbein und buntem Glas
Wurden entkorkt und gaben unnatürlich starke Düfte frei,
All ihre Salben, Puder, Wässerchen – die stiegen so,
Auf üble Art verquickt, zu Kopfe; in einem Lüftchen,
Das nun frisch vom Fenster wehte, wallten sie
Und machten lange Kerzenflammen nur noch fetter,
Schickten ihren Rauch zur Täfelung empor
Und brachten die Muster der Decke in Aufruhr.
Riesen-Scheite Schwemmholz, mit Kupfer angefacht,
Kokelten orange und grün, in bunten Stein gefaßt,
Trauerlicht, wo ein Delphin, ein handgeschnitzter, schwamm.
Über dem altertümlichen Kaminsims stellte
Ganz so, als ob ein Fenster nach dem Wald hin aufging
Ein Bild die Wandlung Philomelas dar, die der Barbarenfürst
So rüde zwang; aber die Nachtigall
Ließ in der Wüste überall ihr heiles Lied ertönen,
Noch geht ihr Ruf, noch stellt die Welt ihr nach,
Dreckigen Ohren ein ‚Jug Jug’.
Noch manch verdorrter Stumpf der Zeit
Ward auf dieser Wand gezeigt; starrende Gestalten
Beugten sich vor, hegten das Zimmer ein mit Schweigen.
Schritte schlurften auf der Treppe.
Unter dem Feuerschein, unter dem Kamm ihr Haar
Stand so funkensprühend da
Glut glomm in Worten auf, dann Wut, kein Laut.

‚Bin heute abend völlig mit den Nerven runter. Ja, runter. Bleib bei mir.
‚Sprich mit mir. Warum sprichst du nie. Los, sprich.
‚Woran denkst du jetzt? Was denkst du? Was?
‚Ich weiß nie, woran du denkst. Los, denk.’

Ich denke, wir sind in der Rattenallee
Wo die Toten ihre Knochen ließen.

‚Was ist das für ein Geräusch?
Der Wind unter der Tür.
‚Und was ist jetzt für ein Geräusch? Was tut der Wind?
Nichts. Es ist gar nichts.
‚Weißt
‚Du gar nichts? Siehst du gar nichts? Fällt dir gar nichts
‚Ein?’

Mir fällt ein
Perlen sind, was seine Augen waren.
‚Lebst du noch, oder nicht? Hast du nichts im Kopf?
O

No No No No Shakespeare hat den Groove –
So elegant
So interessant
‚Was soll ich jetzt tun? Was soll ich tun?’
‚Ich geh jetzt raus, so wie ich bin, lauf um den Block
‚Mit meinen offenen Haaren. Was tun wir morgen?
‚Was sollen wir nur tun?’
Das heiße Wasser um zehn.
Und wenn es regnet, ein Taxi um vier.
Und wir spielen eine Runde Schach
Die Elfenbeinfiguren bringen uns zusammen
Lidlose Augen wollen wir pressen und warten, bis es an der Türe klopft.

Als Lils Gatte ausgemustert wurde, da hab ich gesagt –
Ich schenkte ihr reinen Wein ein, ich sagte es lieber selbst,
SCHLUSS JETZT BITTE FEIERABEND
Albert kommt doch jetzt nach Hause, mach dich ein bißchen schön.
Er wird doch wissen wollen, was du mit dem Geld getan hast, das er dir gab
Für ein paar neue Zähne. Doch, das hat er, ich war dabei.
Laß sie dir alle rausmachen, Lil, und hol dir ein hübsches Gebiß,
Hat er gesagt, ich schwör’s, ich ertrag das nicht, wie du aussiehst.
Und ich auch nicht, hab ich gesagt, denk doch an den armen Albert,
Er war vier Jahre bei der Armee, er will seinen Spaß,
Und wenn er den bei dir nicht kriegt, holt er ihn sich woanders.
Ach, tatsächlich, sagte sie. Und ich: verlaß dich drauf.
Na, dann weiß ich ja, wem ich zu danken habe, sagte sie, und sah mich groß an.
SCHLUSS JETZT BITTE FEIERARBEND
Wenn’s dir nicht paßt, mach ruhig so weiter, sagte ich.
Werden sich eben andere die Finger lecken, wenn du’s nicht kannst.
Aber wenn Albert durchbrennt, sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.
Du solltest dich was schämen, sagte ich, so alt auszusehen.
(Sie ist doch erst einunddreißig.)
Ich kann’s nicht ändern, sagte sie, und zog ein langes Gesicht,
Das sind die Pillen, die ich schluckte, um es wegzumachen, sagte sie.
(Sie hatte schon fünf, und starb fast beim kleinen George.)
Der Apotheker sagte, es ginge in Ordnung, aber ich war nie mehr die alte.
Du bist aber auch schön blöd, sagte ich.
Und wenn Albert was von dir will, sagte ich, na da hast du’s,
Wozu hast du denn geheiratet, wenn du keine Kinder willst?
SCHLUSS JETZT BITTE FEIERABEND
Jetzt diesen Samstag kam Albert nach Hause, sie machten Kaßler
Und fragten mich, ob ich zum Essen käme, so lange es schön heiß war –
SCHLUSS JETZT BITTE FEIERABEND
SCHLUSS JETZT BITTE FEIERABEND
Nacht Bill. Nacht Lou. Nacht May. Gut Nacht.
Gut’s Nächtle. Nacht zusammen.
Gute Nacht, Mädels, gute Nacht, ihr Süßen, gute Nacht, gute Nacht.

* * *
III. THE FIRE SERMON / DIE FEUERPREDIGT

Das Zelt des Flusses ist zerbrochen: die letzten Blattfinger
Greifen herab und sinken ins feuchte Ufer ein. Der Wind
Quert ungehört das braune Land. Die Nymphen sind fort.
Themse, süße, fließe leise, bis mein Lied beendet ist.
Der Fluß führt keine leeren Flaschen, Butterbrotpapiere,
Tücher aus Seide, Pappkartons oder Kippen mit sich,
Nichts zeugt mehr von Sommernächten. Die Nymphen sind fort.
Und ihre Freunde, die gammelnden Erben von Bankdirektoren,
Fort sind sie, unbekannt verzogen.
An den Wassern des Genfersees setzte ich mich hin und weinte …
Themse, süße, fließe leise, bis mein Lied beendet ist.
Themse, süße, fließe leise, ich rede doch nicht laut und nur für kurze Frist.
Doch rücklings höre ich in kalter Bö
Die Knochen klappern, und ein breites Grinsen.

Kroch eine Ratte leise durchs Gestrüpp
Schob ihren schleimigen Balg das Ufer hoch
Ich angelte in dem trüben Kanal
An einem Winterabend hinterm Gasometer
Dacht’ an des Königs, meines Bruders, Schiffbruch
Und an des Königs, meines Vaters, vorzeitigen Tod.
Weiße nackte Körper auf dem flachen, klammen Grund
Und in der kleinen trockenen Kammer das Gebein
Das nur der Fuß der Ratte klappern läßt, jahraus, jahrein.
Doch rücklings höre ich von Zeit zu Zeit
Motorenlärm und Hupen, denn man bringt
Sweeney zu Mrs. Porter, da der Lenz beginnt.
O der Mond schien hell auf Mrs. Porter
Und ihr Töchterlein
Sie tauchen ihre Füße in Sodawasser ein.
Et O ces voix d’enfants, chantant dans la coupole!

Zwitsch zwitsch zwitsch
Jug jug jug jug jug jug
So rüde zwang
Tereu

Unwirkliche Stadt,
Unter dem braunen Nebel eines Wintertags
Kam Mr. Eugenides, Kaufmann aus Smyrna,
Unrasiert, mit einem Sack Korinthen
Fracht bis London inklusive: Papiere sichtbereit,
Und lud mich in demotischem Französisch
Zum Essen ein ins Cannon Street Hotel
Und übers Wochenende noch ins Metropole.

Um die blaue Stunde, wenn sich Aug und Rücken
Vom Pult erheben, wenn die Menschmaschine wartet
Wie ein Taxi stotternd, wartend,
Kann ich, Teiresias, obschon blind, stotternd zwischen zwei Leben,
Alter Mann mit welken Frauenbrüsten, sehen,
Um die blaue Stunde, zur Abendzeit, die heimwärts
Treibt, den Seemann von der See,
Die Tippse heim zum Tee, sie räumt ihr Frühstück ab, sie facht
Den Ofen an und richtet eine Dosenmahlzeit her.
Gewagt, wie auf dem Fensterbrett
Im letzten Sonnenlicht sie ihre Bodys trocknet,
Wie auf dem Diwan (bei Nacht ihr Bett)
Sich ihre Schlüpfer, Schluppen, Schlafanzüge stapeln.
Ich, Teiresias, alter Mann mit Schrumpeltitten,
Sah dieses Schauspiel an, erahnte schon den Rest –
Und ich erwartete auch den bestellten Gast.
Der junge Mann, der Akne-Prinz, erscheint,
Ein kleiner Angestellter, doch mit frechem Blick,
Ein Niederer, dem das Arrogante steht, so ungefähr
Wie ein Seidenhut dem Bradford-Millionär.
Der Zeitpunkt ist nun gut gewählt, denkt er,
Das Mahl ist um, und sie ist matt und müde,
Er wagt es, ihr mit Zärtlichkeit zu kommen,
Lust hat sie keine, doch sie schimpft nicht sehr.
Er läuft entschieden rot an, geht zum Angriff über;
Sein Grapschen stößt auf keine Gegenwehr;
Solche Borniertheit braucht kein Gegenüber,
Sie fühlt rein nichts und er sich aufgenommen.
(Und ich, Teiresias, litt schon im voraus das,
Was auf demselben Diwan oder Bett anfing;
Der ich zu Theben unter der Mauer saß
Und mit den Niedrigsten der Toten ging.)
Plaziert noch einen letzten gönnerhaften Kuß,
Macht sich durchs dunkle Treppenhaus davon …

Sie dreht sich um und schaut kurz in den Spiegel,
Denkt an den Lover kaum, der eben durch die Tür;
Ihr Hirn formt nur den einen Halbgedanken:
,Geschafft, und ich bin froh, jetzt hab ich’s hinter mir.’
Wenn Pretty Woman sich verfehlt hat
Und ein paar Runden dreht in ihrem Raum, allein,
Streicht sie die Haare automatisch glatt
Und legt noch einmal die Cassette ein.

‚Diese Musik kroch zu mir übers Wasser’
The Strand entlang, zur Queen Victoria Street.
O City City, manchmal höre ich
Vor einer Bar in Lower Thames Street
Das süße Weinen einer Mandoline
Und wie sie klirren, wie sie schwirren drinnen
Wo Fischer mittags essen gehen: wo die Mauern
Von Magnus Martyr stehen
In weißgold erstrahlendem ionischem Glanz.

Der Fluß schwitzt
Öl und Teer
Die Barken treiben
Mit den Gezeiten
Rote Segel
Weit
Nach Lee, schwingen an der schweren Spiere.
Die Barken waschen
Treibende Scheite
Bei Greenwich abwärts
Nach der Hundeinsel.
Weialala leia
Wallala leialala

Elisabeth und Leicester
Ruder schlagend
Das Heck eine Muschel
Aus Gold gemacht
Rot und gold
Der brüske Schwall
Traf beide Ufer
Südwestwind
Trug stromab
Das Glockenläuten
Weiße Zinnen
Weialala leia
Wallala leialala

‚Trams und Trauerweiden.
,Highbury schuf mich. Richmond und Kew
Erschlugen mich. Bei Richmond hob ich meine Knie
Flach wie ich dalag im engen Kanu.’

‚Meine Füße sind in Moorgate, und mein Herz ist
Unter meinen Füßen. Nach dem Vorfall
Heulte er. Versprach, „von vorne anzufangen.“
Ich sagte nichts dazu. Was kann man schon verlangen?’

‚In Margate Sands.
Ich kriege nichts
Mit nichts zusammen.
Die Nägel kaputt, die Hände schmutzig.
Mein Völkchen, armes Völkchen, das mit nichts mehr
Rechnet.
la la

So kam ich nach Karthago

Brennt so brennt so brennt so brennt so
O Herr du reißest mich heraus
O Herr du reißest

brennt so

* * *

IV. DEATH BY WATER / DER SEEMANNSTOD

Phlebas der Phönizier, vierzehn Tage tot,
Vergaß den Möwenschrei, den Schwall der Tiefsee
Und Gewinn und Verlust.
Ein Meeresstrom
Nahm flüsternd seine Knochen. Wie er stieg und sank,
Ging er durch die Lebensstufen, jung und alt,
In den Strudel ein.
Heid oder Jud,
Der du das Steuer drehst und windwärts schaust,
Denke an Phlebas, der war einmal stattlich und groß wie du.

* * *

V. WHAT THE THUNDER SAID / WAS DER DONNER SAGTE

Nach den Fackellichtern rot auf Schweißgesichtern
Nach der frostigen Stille der Gärten
Nach der Qual an steinigen Stätten
Dem Schreien und Weinen
Kerker und Palast und Widerhall
Des Frühjahrsdonners über fernen Bergen
Ist er der lebte nun gestorben
Sind wir die lebten nun im Sterben
Gedulden uns nur noch

Hier ist kein Wasser sondern nur Fels
Fels und kein Wasser und die sandige Straße
Die Straße windet sich hoch in die Berge
Die Felsgebirge ohne Wasser sind
Wäre hier Wassser könnten wir halten und trinken
Man kann in den Felsen nicht halten noch denken
Trocken der Schweiß und die Füße im Sand
Wär doch nur Wasser hier zwischen den Felsen
Toter Bergmund fauler Zähne kann nicht spritzen
Hier kann man nicht stehen nicht liegen nicht sitzen
Nicht einmal Stille ist in den Bergen
Nur trockner unfruchtbarer Donner ohne Regen
Nicht einmal Einsamkeit ist in den Bergen
Nur rote mürrische Gesichter höhnen und spotten
Aus Türen rissiger Lehmhäuser
Wenn Wasser wäre
Und kein Fels
Wenn Fels wäre
Aber auch Wasser
Und Wasser
Eine Quelle
Eine Pfütze im Fels
Wenn doch nur das Geräusch von Wasser wäre
Nicht die Zikade
Und dürres Gras sänge
Nur das Geräusch von Wasser auf Fels
Wo die Einsiedlerdrossel in den Kiefern singt
Plitsche platsche plitsche platsche
Doch da ist kein Wassser

Wer ist der dritte, der immer neben dir geht?
Wenn ich zähle, bekomm ich nur dich und mich zusammen
Doch wenn ich zur weißen Straße schaue
Ist immer noch einer, der neben dir geht
Heimlich im braunen Kapuzenmantel
Ich kann nicht sagen, ob Mann oder Frau
- Aber wer ist das da, zu deiner andern Seite?

Was ist dieser Ton hoch in der Luft
Wehklagen murmelnder Mütter
Wer sind nur diese vermummten Horden, die schwärmen
Über die endlose Steppe, bleiben in rissiger Erde stecken
Die nur der flache Horizont umgibt
Was ist diese Stadt dort über den Bergen
Bricht und baut sich und birst in der lila Luft
Fallende Türme
Jerusalem Athen Alexandria
Wien London
Unwirklich

Zog eine Frau an ihren schwarzen Haaren
Und fiedelte wispernd im lila Licht
Und Fledermäuse unter Flügelschlagen
Pfiffen und zeigten ein Säuglingsgesicht
Und krauchten kopfabwärts an geschwärzter Wand
Und in der Luft die umgestürzten Türme
Schlugen die Gedächtnisglocke, Schelle, die die Stunden bannt
Und Stimmen aus leeren Zisternen sangen und versiegter Quelle.

In diesem fauligen Loch in den Bergen
Singt in dem matten Mondlicht das Gras
Über den eingefallenen Gräbern, um die Kapelle
Da steht die leere Kapelle, wo nur der Wind zu Hause ist.
Sie hat keine Fenster, die Tür schwingt lose,
Trockene Knochen tun keinem weh.
Nur ein Hahn auf dem Dachbalken saß
Ki ke riki ki ke riki
In einem Blitzstrahl. Dann eine feuchte Bö
Die Regen brachte

Ganga versunken, das lasche Laub
Wartete auf Regen, während schwarze Wolken
Sich in weiter Ferne sammelten, überm Himavant.
Der Dschungel duckte, krümmte sich vor Stille.
Dann sprach der Donner
DA
Datta: was haben wir gegeben?
Mein Freund, vor Blut erzittert mein Herz
Was für ein furchterregendes Wagnis ein kurzer Moment der Hingabe ist
Das ruft kein maßvoller Lebenswandel jemals zurück
Das und nichts anderes hielt uns am Leben
Es steht nichts davon in den Todesanzeigen
Nichts davon in den Memoiren, die eine gütige Spinne verhüllt
Oder unter den Siegeln, die der dünne Notar erbricht
In unseren leeren Zimmern.
DA
Dayadhvam: Ich hörte den Schlüssel
Sich im Türschloß drehen, und einmal nur drehen,
Wir denken den Schlüssel, ein jeder in seinem Kerker
Denkt an den Schlüssel, bestätigt den Kerker
Nur bei Nachteinbruch belebt ein Ätherrauschen
Kurz den gebrochenen Koriolan
DA
Damyata: Das Boot gehorchte
Freudig der Hand, die sich mit Segel und Ruder auskannte,
Die See war ruhig, dein Herz auch hätte freudig
Gehorcht, wäre es eingeladen gewesen, folgsam zu schlagen
Unter steuernden Händen.

Ich saß am Ufer
Angelte, die öde Ebene im Rücken
Soll ich denn wohl noch meine Lande ordnen?
Pommerland ist abgebrannt abgebrannt abgebrannt
Dann barg er sich in reinigender glut.
Quando fiam uti chelidon – O swallow swallow
Le Prince d’Aquitaine à la tour abolie
Mit diesen Bruchstücken stützte ich meine Trümmer
Warum auch nicht, paßt schon. Hieronimo dreht wieder durch.
Datta. Dayadhvam. Damyata.
Shantin shantih shantih



Norbert Hummelt  not with a bang but a whimper


Kerstin Famulla schreibt über Dietmar Bittrich
Die letzte Lesung die ich besucht habe, war die von D. Bittrich am 29.11. in den Räumen der swb. Der Abend war sehr kurzweilig, was nicht nur an den ironischen Geschichten aus verschiedenen Büchern gelegen hat, die der Autor gelesen hat, sondern auch an der Person des Autors selbst, dem der Schalk förmlich im Nacken saß und der auch über die Geschichten hinaus erheiternde Kommentare zum Besten gab. Besonders die Geschichten aus dem Buch "Urlaubsreif" weckten so manche Erinnerung an selbst gemachte Erfahrungen in den vermeintlich schönsten Wochen des Jahres und waren z. T. auch durchaus "lehrreich". Z. B. weiß ich jetzt, wie ich es am besten anstelle, ein Zugabteil für mich allein zu ergattern oder dass ein Fastenurlaub wohl nicht das richtige für mich wäre. Es gab viel zu lachen und das Grinsen blieb auch noch auf meinen Lippen hängen, als ich schon in der Bahn nach Hause saß.

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T.S. Eliot: The Waste Land / Das öde Land
Deutsch von Norbert Hummelt

Denn die Sibylle von Cumae hab ich mit eigenen Augen gesehen, wie sie in einer Ampulle hing, und wie die Jungs ankamen und sie fragten, na, was willst du, sagte sie, sie wolle sterben.

Für Ezra Pound
den besseren Schmied
* * *


I. THE BURIAL OF THE DEAD / DIE BESTATTUNG DER TOTEN

April ist der übelste Monat von allen, treibt
Flieder aus der toten Erde, mischt
Erinnerung mit Lust, schreckt
Spröde Wurzeln auf mit Frühlingsregen.
Der Winter hat uns warm gehalten, hüllte
Das Land in vergeßlichen Schnee, fütterte
Ein wenig Leben durch mit eingeschrumpelten Knollen.
Der Sommer kam als Überraschung, über den Starnberger See
Mit Regenschauer; wir flüchteten unter die Kolonnaden,
Die Sonne kam wieder, wir gingen weiter zum Hofgarten
Und tranken Kaffee und redeten eine Stunde.
Bin gar keine Russin, stamm’ aus Litauen, echt deutsch.
Und als wir Kinder waren, wohnten wir beim Erzherzog,
Der war mein Vetter, und der ist dann mit mir Schlitten gefahren,
Und ich hatte solche Angst. Marie, sagte er,
Marie, halt dich fest. Und runter gings.
Im Hochgebirge, da fühlt man sich frei.
Ich lese die halbe Nacht, im Winter muß ich nach Süden.


Was sind das für Wurzeln, die krallen, was für Äste wachsen
Aus diesem steinernen Schutt? Menschensohn,
Du ahnst es nicht und kannst nichts wissen, du siehst doch nur
Einen Haufen zerbrochener Bilder, wo die Sonne sticht
Und der tote Baum kein Obdach bietet, die Grille keine Hilfe
Und der trockene Stein kein Wassergeräusch. Nur
Dort ist Schatten unterm roten Fels,
(Komm in den Schatten unterm roten Fels),
Und ich werde dir etwas zeigen, das anders ist als
Der Schatten, der dir morgens nachläuft,
Und als der Schatten, der dich abends einholt;
Ich zeig dir die Angst in einer Handvoll Staub.
Frisch weht der Wind
der Heimat zu:
mein irisch Kind,
wo weilest du?
‚Voriges Jahr, da hast du mir noch Hyazinthen geschenkt;
Alle nannten mich das Hyazinthenmädchen.’
– Doch als wir wiederkamen aus dem Hyazinthengarten, es war schon spät,
Du hattest die Hände voll, dein Haar war naß, da konnte ich nicht mehr
Sprechen, ich sah auch nichts mehr, ich fühlte mich weder
Tot noch lebendig, und alles war weg,
Als ich ins Herz des Lichts sah, die Stille.
Öd und leer das Meer.


Madame Sosostris, Top-Wahrsagerin,
War schwer erkältet, nichtsdestotrotz
Gilt sie als weiseste Frau Europas,
Dank eines verruchten Kartenspiels. Hier, sprach sie,
Ist Ihre Karte, der ertrunkene phönizische Seemann,
(Perlen sind, was seine Augen waren. Schau!)
Hier haben wir Belladonna, die Herrin der Felsen,
Die Heilige der Gelegenheiten.
Hier kommt der Mann mit den drei Stäben, und hier das Rad,
Und hier der Kaufmann mit dem einen Auge, und hier die Karte,
Wo nichts drauf ist, ist etwas, das er auf dem Rücken trägt,
Aber das läßt man mich nicht erkennen. Ich sehe nirgendwo
Den Gehenkten. Fürchten Sie den Seemannstod.
Ich sehe Menschenmengen, die im Kreis einhergehn.
Dankeschön. Falls Sie die gute Mrs. Equitone sehen,
Sagen Sie ihr, daß ich das Horoskop selbst vorbeibringe,
Man kann nicht vorsichtig genug sein heutzutage.

Unwirkliche Stadt,
Unter dem braunen Nebel eines Wintermorgens
Kroch eine Menschenmenge über London Bridge, so viele,
Das dacht’ ich nicht, daß derart viele schon verblichen wären.
Gelegentliche kleine Seufzer wurden ausgehaucht,
Und jedermann sah starr vor seine Füße.
Kroch hügelan und abwärts zur King William Street
Bis dahin, wo Saint Mary Woolnoth Stunden zählte
Mit einem dumpfen Nachhall auf dem neunten Schlag.
Da traf ich einen, den ich kannte, und ich rief ihm zu: ‚Stetson!
‚Der du mit mir zu Schiff vor Mylae lagst!
‚Der Tote, den du letztes Jahr im Garten pflanztest,
‚Sprießt er schon? Blüht er noch in diesem Frühjahr?
‚Oder ist der Nachtfrost ihm nicht gut bekommen?
‚O halt den Köter fern, der um die Beete streunt,
,Sonst buddelt er ihn aus, der Menschenfreund!
‚You! Hypocrite lecteur! – mein Ebenbild, – mon frère!’


Hella Streicher  Das Totenbegräbnis


II. A GAME OF CHESS / EINE RUNDE SCHACH
Der Stuhl, auf dem sie saß, ein blankpolierter Thron,
Funkelte auf dem Marmorboden, wo der Spiegel,
Gestützt auf Ständer, schmiedeeisern, rebenüberrankt,
Aus welchem keck ein güldener Amor spähte
(Ein zweiter barg die Augen hinterm Flügel)
Die Flammen aus dem siebenarmigen Leuchter wiedergab
Und das Licht schien von der Tafel wider
Und ihr Geschmeide glänzte diesem Licht entgegen
Aus lauter in Satin gefaßten Schmuckkästchen.
Fläschchen auf Elfenbein und buntem Glas
Wurden entkorkt und gaben unnatürlich starke Düfte frei,
All ihre Salben, Puder, Wässerchen – die stiegen so,
Auf üble Art verquickt, zu Kopfe; in einem Lüftchen,
Das nun frisch vom Fenster wehte, wallten sie
Und machten lange Kerzenflammen nur noch fetter,
Schickten ihren Rauch zur Täfelung empor
Und brachten die Muster der Decke in Aufruhr.
Riesen-Scheite Schwemmholz, mit Kupfer angefacht,
Kokelten orange und grün, in bunten Stein gefaßt,
Trauerlicht, wo ein Delphin, ein handgeschnitzter, schwamm.
Über dem altertümlichen Kaminsims stellte
Ganz so, als ob ein Fenster nach dem Wald hin aufging
Ein Bild die Wandlung Philomelas dar, die der Barbarenfürst
So rüde zwang; aber die Nachtigall
Ließ in der Wüste überall ihr heiles Lied ertönen,
Noch geht ihr Ruf, noch stellt die Welt ihr nach,
Dreckigen Ohren ein ‚Jug Jug’.
Noch manch verdorrter Stumpf der Zeit
Ward auf dieser Wand gezeigt; starrende Gestalten
Beugten sich vor, hegten das Zimmer ein mit Schweigen.
Schritte schlurften auf der Treppe.
Unter dem Feuerschein, unter dem Kamm ihr Haar
Stand so funkensprühend da
Glut glomm in Worten auf, dann Wut, kein Laut.

Bin heute abend völlig mit den Nerven runter. Ja, runter. Bleib bei mir.
‚Sprich mit mir. Warum sprichst du nie. Los, sprich.
‚Woran denkst du jetzt? Was denkst du? Was?
‚Ich weiß nie, woran du denkst. Los, denk.’

Ich denke, wir sind in der Rattenallee
Wo die Toten ihre Knochen ließen.

‚Was ist das für ein Geräusch?
Der Wind unter der Tür.
‚Und was ist jetzt für ein Geräusch? Was tut der Wind?
Nichts. Es ist gar nichts.
‚Weißt
‚Du gar nichts? Siehst du gar nichts? Fällt dir gar nichts
‚Ein?’

Mir fällt ein
Perlen sind, was seine Augen waren.
‚Lebst du noch, oder nicht? Hast du nichts im Kopf?
O

No No No No Shakespeare hat den Groove –
So elegant
So interessant
‚Was soll ich jetzt tun? Was soll ich tun?’
‚Ich geh jetzt raus, so wie ich bin, lauf um den Block
‚Mit meinen offenen Haaren. Was tun wir morgen?
‚Was sollen wir nur tun?’
Das heiße Wasser um zehn.
Und wenn es regnet, ein Taxi um vier.
Und wir spielen eine Runde Schach
Die Elfenbeinfiguren bringen uns zusammen
Lidlose Augen wollen wir pressen und warten, bis es an der Türe klopft.

Als Lils Gatte ausgemustert wurde, da hab ich gesagt –
Ich schenkte ihr reinen Wein ein, ich sagte es lieber selbst,
SCHLUSS JETZT BITTE FEIERABEND
Albert kommt doch jetzt nach Hause, mach dich ein bißchen schön.
Er wird doch wissen wollen, was du mit dem Geld getan hast, das er dir gab
Für ein paar neue Zähne. Doch, das hat er, ich war dabei.
Laß sie dir alle rausmachen, Lil, und hol dir ein hübsches Gebiß,
Hat er gesagt, ich schwör’s, ich ertrag das nicht, wie du aussiehst.
Und ich auch nicht, hab ich gesagt, denk doch an den armen Albert,
Er war vier Jahre bei der Armee, er will seinen Spaß,
Und wenn er den bei dir nicht kriegt, holt er ihn sich woanders.
Ach, tatsächlich, sagte sie. Und ich: verlaß dich drauf.
Na, dann weiß ich ja, wem ich zu danken habe, sagte sie, und sah mich groß an.
SCHLUSS JETZT BITTE FEIERARBEND
Wenn’s dir nicht paßt, mach ruhig so weiter, sagte ich.
Werden sich eben andere die Finger lecken, wenn du’s nicht kannst.
Aber wenn Albert durchbrennt, sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.
Du solltest dich was schämen, sagte ich, so alt auszusehen.
(Sie ist doch erst einunddreißig.)
Ich kann’s nicht ändern, sagte sie, und zog ein langes Gesicht,
Das sind die Pillen, die ich schluckte, um es wegzumachen, sagte sie.
(Sie hatte schon fünf, und starb fast beim kleinen George.)
Der Apotheker sagte, es ginge in Ordnung, aber ich war nie mehr die alte.
Du bist aber auch schön blöd, sagte ich.
Und wenn Albert was von dir will, sagte ich, na da hast du’s,
Wozu hast du denn geheiratet, wenn du keine Kinder willst?
SCHLUSS JETZT BITTE FEIERABEND
Jetzt diesen Samstag kam Albert nach Hause, sie machten Kaßler
Und fragten mich, ob ich zum Essen käme, so lange es schön heiß war –
SCHLUSS JETZT BITTE FEIERABEND
SCHLUSS JETZT BITTE FEIERABEND
Nacht Bill. Nacht Lou. Nacht May. Gut Nacht.
Gut’s Nächtle. Nacht zusammen.
Gute Nacht, Mädels, gute Nacht, ihr Süßen, gute Nacht, gute Nacht.


Sandra Trojan  A heap of broken images


III. THE FIRE SERMON / DIE FEUERPREDIGT
Das Zelt des Flusses ist zerbrochen: die letzten Blattfinger
Greifen herab und sinken ins feuchte Ufer ein. Der Wind
Quert ungehört das braune Land. Die Nymphen sind fort.
Themse, süße, fließe leise, bis mein Lied beendet ist.
Der Fluß führt keine leeren Flaschen, Butterbrotpapiere,
Tücher aus Seide, Pappkartons oder Kippen mit sich,
Nichts zeugt mehr von Sommernächten. Die Nymphen sind fort.
Und ihre Freunde, die gammelnden Erben von Bankdirektoren,
Fort sind sie, unbekannt verzogen.
An den Wassern des Genfersees setzte ich mich hin und weinte …
Themse, süße, fließe leise, bis mein Lied beendet ist.
Themse, süße, fließe leise, ich rede doch nicht laut und nur für kurze Frist.
Doch rücklings höre ich in kalter Bö
Die Knochen klappern, und ein breites Grinsen.

Kroch eine Ratte leise durchs Gestrüpp
Schob ihren schleimigen Balg das Ufer hoch
Ich angelte in dem trüben Kanal
An einem Winterabend hinterm Gasometer
Dacht’ an des Königs, meines Bruders, Schiffbruch
Und an des Königs, meines Vaters, vorzeitigen Tod.
Weiße nackte Körper auf dem flachen, klammen Grund
Und in der kleinen trockenen Kammer das Gebein
Das nur der Fuß der Ratte klappern läßt, jahraus, jahrein.
Doch rücklings höre ich von Zeit zu Zeit
Motorenlärm und Hupen, denn man bringt
Sweeney zu Mrs. Porter, da der Lenz beginnt.
O der Mond schien hell auf Mrs. Porter
Und ihr Töchterlein
Sie tauchen ihre Füße in Sodawasser ein.
Et O ces voix d’enfants, chantant dans la coupole!

Zwitsch zwitsch zwitsch
Jug jug jug jug jug jug
So rüde zwang
Tereu

Unwirkliche Stadt,
Unter dem braunen Nebel eines Wintertags
Kam Mr. Eugenides, Kaufmann aus Smyrna,
Unrasiert, mit einem Sack Korinthen
Fracht bis London inklusive: Papiere sichtbereit,
Und lud mich in demotischem Französisch
Zum Essen ein ins Cannon Street Hotel
Und übers Wochenende noch ins Metropole.

Um die blaue Stunde, wenn sich Aug und Rücken
Vom Pult erheben, wenn die Menschmaschine wartet
Wie ein Taxi stotternd, wartend,
Kann ich, Teiresias, obschon blind, stotternd zwischen zwei Leben,
Alter Mann mit runzligen Weiberbrüsten, sehen,
Um die blaue Stunde, zur Abendzeit, die alles heimwärts
Treibt, den Seemann heim vom Meer,
Die Bürokraft heim zum Tee, sie räumt ihr Frühstück ab, sie facht
Den Ofen an und richtet eine Dosenmahlzeit her.
Gewagt, wie auf dem Fensterbrett
Im letzten Sonnenlicht sie ihre Bodys trocknet,
Wie auf dem Diwan (bei Nacht ihr Bett)
Sich ihre Schlüpfer, Schluppen, Schlafanzüge stapeln.
Ich, Teiresias, alter Mann mit Schrumpeltitten,
Sah dieses Schauspiel an, erahnte schon den Rest –
Und ich erwartete auch den bestellten Gast.
Der junge Mann, der Akne-Prinz, erscheint,
Ein kleiner Angestellter, doch mit frechem Blick,
Ein Niederer, dem das Arrogante steht, so ungefähr
Wie ein Seidenhut dem Bradford-Millionär.
Der Zeitpunkt, denkt er, ist nun gut gewählt,
Das Mahl ist um, und sie ist müde, angeödet,
Er wagt es, ihr mit Zärtlichkeit zu kommen,
Sie läßt ihn, doch erwidert nichts, bleibt spröde.
Er läuft entschieden rot an, geht zum Angriff über;
Sein Grapschen stößt auf keine Gegenwehr;
Er ist so leer und braucht kein Gegenüber,
Gleichgültig wird er in Empfang genommen.
(Und ich, Teiresias, litt schon im voraus das,
Was auf demselben Diwan oder Bett anfing;
Der ich zu Theben unter der Mauer saß
Und mit den Niedrigsten der Toten ging.)
Plaziert noch einen letzten gönnerhaften Kuß,
Macht sich durchs dunkle Treppenhaus davon …

Sie dreht sich um und schaut kurz in den Spiegel,
Denkt an den Lover kaum, der eben durch die Tür;
Ihr Hirn formt nur den einen Halbgedanken:
,Geschafft, und ich bin froh, jetzt hab ich’s hinter mir.’
Wenn Pretty Woman sich verfehlt hat
Und ein paar Runden dreht in ihrem Raum, allein,
Streicht sie die Haare automatisch glatt
Und legt noch einmal die Cassette ein.

‚Diese Musik kroch zu mir übers Wasser’
The Strand entlang, zur Queen Victoria Street.
O City City, manchmal höre ich
Vor einer Bar in Lower Thames Street
Das süße Weinen einer Mandoline
Und wie sie klirren, wie sie schwirren drinnen
Wo Fischer mittags essen gehen: wo die Mauern
Von Magnus Martyr stehen
In weißgold erstrahlendem ionischem Glanz.


Der Fluß schwitzt
Öl und Teer
Die Barken treiben
Mit den Gezeiten
Rote Segel
Weit
Nach Lee, schwingen an der schweren Spiere.
Die Barken waschen
Treibende Scheite
Bei Greenwich abwärts
Nach der Hundeinsel.
Weialala leia
Wallala leialala

Elisabeth und Leicester
Ruder schlagend
Das Heck eine Muschel
Aus Gold gemacht
Rot und gold
Der brüske Schwall
Traf beide Ufer
Südwestwind
Trug stromab
Das Glockenläuten
Weiße Zinnen
Weialala leia
Wallala leialala

‚Trams und Trauerweiden.
,Highbury schuf mich. Richmond und Kew
Erschlugen mich. Bei Richmond hob ich meine Knie
Flach wie ich dalag im engen Kanu.’

‚Meine Füße sind in Moorgate, und mein Herz ist
Unter meinen Füßen. Nach dem Vorfall
Heulte er. Versprach, „von vorne anzufangen.“
Ich sagte nichts dazu. Was kann man schon verlangen?’

‚In Margate Sands.
Ich kriege nichts
Mit nichts zusammen.
Die Nägel kaputt, die Hände schmutzig.
Mein Völkchen, armes Völkchen, das mit nichts mehr
Rechnet.
la la

So kam ich nach Karthago

Brennt so brennt so brennt so brennt so
O Herr du reißest mich heraus
O Herr du reißest

brennt so





Sandra Trojan  Die Feuerpredigt (V 174-266)


IV. DEATH BY WATER / DER SEEMANNSTOD
Phlebas der Phönizier, vierzehn Tage tot,
Vergaß den Möwenschrei, den Schwall der Tiefsee
Und Gewinn und Verlust.
Ein Meeresstrom
Nahm flüsternd seine Knochen. Wie er stieg und sank,
Ging er durch die Lebensstufen, jung und alt,
In den Strudel ein.
Heid oder Jud,
Der du das Steuer drehst und windwärts schaust,
Denke an Phlebas, der war einmal stattlich und groß wie du.




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Dagmar Hofmann  Hape Kerkeling - Ich bin dann mal weg


Dürfen Schriftsteller globalisiert sein?
Von Malin Schwerdtfeger


Dürfen Schriftsteller globalisiert sein? Einmal wurde ich zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, die diese Frage zum Thema hatte. Und da saßen sie dann, die Herren Autoren und Verleger aus der Nachkriegs- und Vorglobalisierungszeit, die aus Prinzip noch immer auf klapprigen Olivetti-Schreibmaschinen tippen und ihre homepages lieber von feschen Praktikantinnen verwalten lassen, anstatt sich selbst die Finger an der moralisch verkommenen Scheinwelt des Internets schmutzig zu machen.
Wir wissen doch alle: Internet, das ist Globalisierung. Und Globalisierung, das sind arme Kambodschaner, die für uns Jeans zusammennähen und dabei gezwungen werden, BigMacs zu essen, anstatt sich weiterhin brav an ihren Reis zu halten und ihre Felder mit bloßen Händen umzupflügen. Globalisierung ist, wenn man in die weite Welt fliegt, anstatt mit dem Nachtzug nach Lissabon (oder Lucca) zu fahren, einen gepflegten Rotwein auf der Terrasse seines Landhauses zu trinken und zu überlegen, ob man nicht doch einen Swimmingpool anlegen sollte – natürlich mit Hilfe eines glücklicherweise noch in ruraler Abgeschiedenheit vor sich hinlebenden Luigi oder Pedro aus dem nächsten Dorf.
Merke: Der Intellektuelle alten Zuschnitts ist zwar globalisiert, aber höchstens bis zur Toscana.
Fazit der Herren meines Globalisierungspodiums: Ein guter deutscher Schriftsteller darf auf keinen Fall zu weit über den Tellerrand gucken.
Nur funktioniert das nicht mehr! Und nicht nur unser Radius hat sich erweitert, sondern auch der der Menschen in der sogenannten "Dritten Welt"! Genau diese allerdings sollen nach Ansicht der Anti-Globalisierer vom Rest der Welt möglichst abgeschnitten werden – natürlich zu ihrem eigenen Besten, damit sie auch ja ihre kulturelle Identität nicht verlieren. Doch haben nicht Kulturrevolutionen oder Hungersnöte weit mehr Kultur zerstört als BigMacs und Internet es je könnten?
Ich liebe das Internet! Sich darin zu bewegen ist wie in die Köpfe tausender anderer Menschen hineinzugucken. Und bei meinen virtuellen und wirklichen Reisen mußte ich feststellen, daß ich zum Beispiel mit chinesischen Schriftstellern meiner Generation erstaunlich viel mehr gemein habe als es der Toscana-Fraktion offenbar lieb ist! Baut Ihr nur Eure Swimmingpools! Wir kümmern uns um das Erzählen in den Zeiten der Globalisierung!


Dr. Angela Staab/Richard Staab  Bloß nicht differenzieren!

Literaturhaus Bremen